Beckenboden vor der Geburt: Warum Vorbereitung den Unterschied macht
- Viola Beyer

- 16. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. Jan.

Während der Schwangerschaft bereiten sich viele Frauen intensiv auf ihr Baby vor, aber kaum auf den Teil ihres Körpers, der die Geburt tatsächlich ermöglicht: den Beckenboden.
Dabei kann dieser Muskel- und Bindegewebekomplex darüber entscheiden, wie gut du die Geburt bewältigst, wie schnell du dich danach erholst und wie stabil du dich in den Monaten danach fühlst.
In diesem Artikel erfährst du:
was der Beckenboden ist und warum der Beckenboden während der Schwangerschaft so wichtig ist,
was sich kurz vor der Geburt verändert und
und wie du ihn gezielt auf die Geburt vorbereiten kannst.
Was ist der Beckenboden – und was passiert in der Schwangerschaft?
Der Beckenboden ist eine mehrschichtige Struktur aus Muskeln, Bindegewebe sowie Nerven- und Gefäßstrukturen. Er stützt deine inneren Organe, unterstützt deine aufrechte Haltung, beinhaltet die Schließmuskeln (und ist somit für deine Kontinenz wichtig) und spielt für die S€xualität eine entscheidende Rolle.
Während der Schwangerschaft
nimmt das Gewicht von Gebärmutter, Blutvolumen und Baby stetig zu,
steigt der Druck auf den Beckenboden und
das Gewebe wird durch Hormone weicher und dehnbarer.
Das ist für die Geburt sinnvoll, bedeutet aber auch, dass der Beckenboden besonders belastet wird, wenn er nicht gut vorbereitet ist.
Ein Beispiel ist Harninkontinenz, die während der Schwangerschaft weit verbreitet ist. Studien zeigen, dass weltweit zwischen 11 % und über 80 % aller Schwangeren davon betroffen sind. Am häufigsten tritt die Belastungsinkontinenz auf, also der ungewollte Urinverlust beim Husten, Niesen oder Sport. Besonders im dritten Trimester steigt die Häufigkeit deutlich an, sodass mehr als die Hälfte der Frauen betroffen ist (Samenezhad, 2026).
Die gute Nachricht: Gezieltes Beckenbodentraining kann helfen und vorbeugen.

Ein gut vorbereiteter Beckenboden
Viele Frauen glauben, dass man den Beckenboden während der Schwangerschaft nicht trainieren sollte, da dies den Geburtsverlauf erschweren könnte.
Dieses Missverständnis wurde jedoch durch Studien widerlegt (Agur, 2008; Du, 2015). Studien zeigen, dass ein angepasstes, korrekt angeleitetes Beckenbodentraining während der Schwangerschaft sowohl sicher als auch sinnvoll ist.
Eine gute Vorbereitung bedeutet nicht, den Beckenboden hart zu trainieren, sondern zu lernen, ihn gezielt zu aktivieren und wieder loszulassen.
Ein Beckenboden, der:
zu schwach ist,
zu wenig wahrgenommen wird,
ständig unter Spannung steht,
kann sich während der Geburt schlechter anpassen.
Das erhöht das Risiko für:
Geburtsverletzungen
langes Pressen
spätere Inkontinenz oder Senkungsbeschwerden.
Was bedeutet gute Geburtsvorbereitung für den Beckenboden wirklich?
Ein geburtsvorbereiteter Beckenboden kann:
auf Druck reagieren,
elastisch nachgeben
und danach wieder Kraft aufbauen.
Das erreichst du durch:
Wahrnehmungstraining
gezielte Aktivierungsübungen
Atem- und Entspannungstechniken
Kräftigung durch funktionelle Bewegungen
Genau diese Kombination fehlt oft in klassischen Kursen, sogar in Geburtsvorbereitungskursen für Schwangere.
Beckenbodenvorbereitung ist kein Extra.
Sie ist die Basis.
So begleite ich Schwangere
In meinen miofit®-Beckenbodenkursen für Schwangere lernst du:
deinen Beckenboden bewusst zu spüren,
ihn auf die Schwangerschaft, die Geburt und das Wochenbett vorzubereiten,
ihn gezielt zu aktivieren und zu entspannen,
und ihn in Alltagsbewegungen und Training einzubauen.
Damit bereitest du dich nicht nur auf die Geburt vor, sondern auch auf einen stabilen Start ins Wochenbett und die Rückbildung.
Möchtest du deinen Beckenboden bewusst auf die Geburt vorbereiten?
Wenn du deine Schwangerschaft nutzen möchtest, um deinem Körper die bestmögliche Grundlage für Geburt und Erholung zu geben, findest du hier meine aktuellen Kurse und Angebote:
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Häufige Fragen
Wann sollte ich in der Schwangerschaft mit Beckenbodentraining beginnen?
Idealerweise frühestmöglich, auf deine Schwangerschaft angepasst und ohne Überlastung (sofern keine Kontraindikationen bestehen).
Kann ich meinen Beckenboden auch falsch und zu viel trainieren?
Ja, dies ist möglich, aber nur, wenn man nicht korrekt angeleitet wird. Einige Studien deuten darauf hin, dass bei sehr stark trainierten Beckenböden (z.B. bei einigen Reiterinnen) zu viel Spannung entstehen kann und dies die Geburt erschweren kann. Balance und individuelle Anleitung ist entscheidend.
Hilft Beckenbodentraining wirklich bei der Geburt?
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass gezieltes Beckenbodentraining während der Schwangerschaft mehrere positive Effekte haben kann. Dazu zählen kürzere Geburtsphasen, eine geringere Wahrscheinlichkeit für instrumentelle Geburten (z. B. mit Saugglocke), weniger schwerwiegende Dammverletzungen sowie eine geringe Rate an Harninkontinenz während und nach der Schwangerschaft (Du, 2015, Sobhgol).
Brauche ich dafür einen speziellen Kurs?
Ein Kurs, der Schwangerschaft, Atmung und Beckenboden kombiniert, ist deutlich effektiver als allgemeiner Fitness-Sport. Mein Beckenbodenkurs für Schwangere ist übrigens als Präventionskurs von den gesetzlichen Krankenkassen zertifiziert (live in Düsseldorf oder on-demand/online).
Quellen:
Agur, W., Steggles, P., Waterfield, M., & Freeman, R. (2008). Does antenatal pelvic floor muscle training affect the outcome of labour? A randomised controlled trial. International Urogynecology Journal, 19(1), 85-88. Du, Y., Xu, L., Ding, L., Wang, Y., & Wang, Z. (2015). The effect of antenatal pelvic floor muscle training on labor and delivery outcomes: a systematic review with meta-analysis. International urogynecology journal, 26(10), 1415-1427.
Samenezhad, S., & Rafighi, D. (2026). Urogynecology in Pregnancy: Challenges and Solutions. Continence Reports, 100105.
Sobhgol, S. S., Smith, C. A., & Dahlen, H. G. (2020). The effect of antenatal pelvic floor muscle exercises on labour and birth outcomes: a systematic review and meta-analysis. International urogynecology journal, 31(11), 2189–2203. https://doi.org/10.1007/s00192-020-04298-1






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